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Varenyky mit Sauerkirschen – Geschmack meiner Kindheit

Liebe Emma, lieber Moritz. Der Kirschbaum in unserem Garten ist ein kleines Wunder. Den Baum gab es schon, als wir im Haus eingezogen sind, keine Ahnung, wie alt er ist. Er hat trockene unförmige Äste, und ist optisch nun wirklich kein Hingucker. Dieser kleine Baum hat uns aber jahrelang mit einer beeindruckenden Ernte erfreut – sage und schreibe 10 kg Kirschen haben wir jedes Jahr im Juli geerntet. Es gab Kuchen, Clafoutis, Grütze – ich wusste schon gar nicht, was ich mit dieser Menge an Kirschen anstellen soll. Sie landeten dann im Gefrierfach, und wurden regelmässig zur Confiture verarbeitet. Es ist auch dem Baum zu verdanken, dass Sauerkirschen-Confi Emma’s Liebling geworden ist. Und dann passierte es – vielleicht hat der Kirschbaum die Konkurrenz der Glyzinie nicht vertragen, oder er ist zu alt geworden. Jedenfalls gab es dieses Jahr genau 333 g Sauerkirschen. Und da kam mir dieses wunderbare Gericht in den Sinn – Varenyky mit Sauerkirschen.

Ihr kennt schon den Film „Ratatouille“, und wisst, dass dies mein Lieblingsfilm ist. Ich mag die Philosophie „Jeder kann kochen“, und dass Träume, die einem unerreichbar scheinen, sehr wohl in Erfüllung gehen, wenn man alles dafür tut. Es gibt eine Szene im Film, in der der Restaurant-Kritiker den ersten Biss von Ratatouille probiert, und sich Bilder aus seiner Kindheit in seinem Kopf abspielen. Genau so geht es mir mit diesem Gericht 🙂 Meine beiden Omas hatten Kirschbäume in ihrem Garten. Als ich meine langen Sommeferien bei ihnen verbracht habe, gab es oft diese Sauerkirschen-Varenyky. Für mich sind sie DER Geschmack vom Sommer – und von Kindheit.

Und hier geht es zu unserem Familienrezept:

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Frühlingsgemüse-Süppchen mit Crème fraîche – Zupa jarynowa

Liebe Emma, lieber Moritz. Ruhig war es um unseren Blog in den letzten Monaten. Der Krieg in der Ukraine, die Sorge um unsere Familie und Freunde haben den Alltag beschattet, und tun es immer noch. Seit dem Ausbruch des Krieges ist viel passiert. Wir hatten schöne gemeinsame Familienzeit an unseren Liebslingsorten in der Provence. Ich habe einen neuen Job bei meinem Arbeitgeber, der mehr Reisen erfordert und viel Spass macht, da ich mit tollen Menschen einiges bewegen kann. Und ihr steht kurz vor dem Abschluss eures ersten Kindergartenjahres, in dem ihr von „Räupli“ zu „Schmetterlingen“ werdet :-). Ihr habt viele neue Freunde gewonnen. Du, Moritz, bist Feuer und Flamme für Fussball spielen, und im Juni dürfen wir uns auf Emma’s zweite Ballett-Vorstellung freuen.

Diese einfache Suppe gab es heute, gekocht von euer Grossmama aus der Ukraine. Schon mein Opa Mykola hat die Suppe gerne gekocht. Wir bereiten sie nur mit frischem Marktgemüse zu, am besten im Frühling und Sommer. Wie heute. Einfach das beste Gemüse vom Markt holen, das Süppchen kochen, frisch gebackenes Brot dazu – fertig ist das Samstag-Mittagessen. Weiter geht’s mit unserem Familienrezept:

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Ukraine 24. Februar 2022 – make love, not war

Liebe Emma, lieber Moritz. Dies sollte eures Kochbuch sein, aber heute gibt es eine Ausnahme. Denn der 24. Februar 2022 wird als ein furchtbarer Tag in die Geschichte der Ukraine, des Landes meiner Kindheit, eingehen. Ein Tag, an dem ein friedliches Volk von ihrem Nachbarland Russland angegriffen wurde. Wir sind fassunglos, empört, hilflos. Besorgt um unsere Familie, Freunde, Bekannte. Unten seht ihr einen Brief aus 1944. Euer Urgrossvater Kolja hat ihn euer Urgrossmutter Dasha im zweiten Weltkrieg von der Front geschickt. Unfassbar, dass wir aus den Schrecken des zweiten Weltkrieges nichts gelernt haben, und 78 Jahre später am selben Punkt in Europa stehen. Ich wünsche mir, dass dieser Krieg schneller vorbei ist, als er angefangen hat, und dass die Menschen in der Ukraine ihren Frieden wieder zurückgewinnen.

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